Bild Rathaus erbaut 1400
02-Schalt-Vorlage a-Grimmen
02-Schalt-Vorlage b-Grimmen Notgeld
02-Schalt-Vorlage b-Grimmen Historie
02-Schalt-Vorlage b-Grimmen DVD CD
01-Schalt-i-Bücher
Bild Marienkirche erbaut 1267
02-Schalt-Vorlage b-Hobby
01-Schalt-d- Chortreffen
Bild Schule-Alt erbaut 1450
Schalt-Vorlage Chorbilder
Bild-wasserturm erbaut 1933

Papiernotgeld in Grimmen       GrundIage dieses Beitrages war ein Forschungsobjekt, das über die Notgeldausgaben in Grimmen berichtete und in mehrjähriger Arbeit zusammengestellt wurde. Einige der Originalscheine sind sehr selten und sind als Dublikat noch nicht gefunden worden. Das Objekt wurde auf der Bezirksmünzausstellung am 13.06.1986 in Rostock mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Der heimatgeschichtliche Wert dieser Sammlung ist für Grimmen einmalig.

Die Turbolenzen der Inflation verschonten auch unsere Stadt nicht . Es kann jedoch festgestellt werden, dass die Institutionen und Betriebe im Stadt und Kreisgebiet vielseitige Initiativen in Gang setzten, um die Not besonders bei den Kleinrentnern zu lindern. Der damalige Frauenverein in Grimmen, unter dem Vorsitz von Frau von Rußdorf aus Schönhof, setzte sich tätkräftig dafür ein. Er appellierten an die Bauern und Ackerbürger in Grimmen, den Kleinrentnern Lebensmittel zu billigen Preisen zu verkaufen, was auch befolgt wurde.Erwähnenswert sind noch der Landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsverein und die Molkereigenossenschaft von Grimmen. Sie lieferten der Bevölkerung von Grimmen verbilligte Waren. Es kam vor, dass mit diesen verbilligten Waren Geschäfte gemacht wurden, worüber die Zeitungen kritisch berichteten.

Mit dem fortschreitenden Währungsverfall war die Staatsdruckerei nicht mehr in der Lage den enormen Geldmittelbedarf zu decken. Aufgrund einer Weisung des preußischen Handelsministers an die Regierungspräsidenten der Länder vom August 1923 wurde die Ausgabe von Notgeld in Stadt- und Landkreisen, Gemeinden, Großbetrieben und Handelskammern genehmigt. Auch in Grimmen wurde Geld gedruckt. Dieses Geld wurde gebraucht, um das Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten sowie die Entlohnung der Arbeiter, Angestellten und Beamten abzusichern. Es wurde auch benötigt für die Sozial- und Kleinrentenunterstützung. Gerade die Bevölkerungsschicht, welche auf eine Unterstützung angewiesen war, hatte am stärksten unter den Folgen der Inflation zu leiden. Infolge des täglich steigenden Dollarkurses bedeuteten verspätete Zahlungen Verlust und Wertminderung. Außerdem kamen keine landwirtschaftichen Erzeugnisse in die Stadt, weil die Produkte der Bauern nicht bezahlt werden konnten.

Notgeld-Waagerecht

Ausgaben der Kreiskommunalkasse            Aufgrund dieser Umstände gab die Kreiskommunalkasse in Grimmen der Druckerei der Grimmer Kreis- Zeitung den Auftrag, Geld zu drucken. Die Geldscheine der Kreiskommunalkasse Grimmen wurden vom Meister der Druckerei Ernst Balk nach eigenen Entwürfen gestaltet. Einige Zierleisten der Geldscheine zu 500 000 Mark und Eine Million Mark finden wir auch bei der Gestaltung der Zeitung in früheren Ausgaben. An der linken oberen Ecke der ersten beiden Werte ist der Kopf der Göttin Athene zu sehen, gegenüber der Kopf des Hermes. In den unteren Ecken befindet sich ein Löwenkopf. Für den Wert Eine Million Mark wurde eine zusätzliche Platte für den Unterdruck hergestelIt, diese wurde aus vielen Einzelteilen im Handsatz gefertigt. In der Mitte wurde das Wappen von Grimmen eingesetzt. Dieses entsprach dem Wappen der Grimmer Kreis- Zeitung. Das Muster einiger Platten für den Unterdruck weist Unterschiede auf. Ob diese durch eine nachträgliche Reparatur entstanden sind oder mehrere Platten für den Unterdruck zum Einsatz kamen, konnte nicht geklärt werden. Die nachfolgenden Werte hatten nicht nur eine andere Umrahmung, sondern auch eine andere Zeichnung der Platten für den Unterdruck. Alle Werte mit dem Unterdruck hatten nur ihre Gültigkeit mit dem lila Stempel "Kreisausschuß des Kreises Grimmen". Die Unterschriftsberechtigte waren: Brauns - Landrat von Grimmen,  Rückert - Bürgermeister von Grimmen, Becker - Gutsbesitzer in Bartmannshagen. Es folgten die Werte zu 5 Millionen, 10 MiIliarden und 20 Milliarden Mark und 50 Milliarden Mark. Mit Nummer und zwei Unterschriften versehen, hatten die Scheine ihre Gültigkeit.

Geldscheine des Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein     Auch der Landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsverein gab bei der Grimmer Kreis- Zeitung Gelddruck in folgender Stückelung in Auftrag: 1 Million, 5 Millionen, 10 Milliarden, 20 Milliarden und 50 Milliarden Mark. Die beiden letztgenannten Werte lagen noch nicht vor.

Verein-Waagerecht

Mit der Ausgabe dieser Notgeldscheine hoffte der Verein, die bestehenden Zahlungsschwierigkeiten zu beheben. Auch diese Scheine hatten nur Gültigkeit mit dem roten Stempelaufdruck "Grimmer landwirtschaftlicher Ein- und Verkaufsverein eGmbH Grimmen i.Pom." sowie zwei Unterschriften. Die Unterschriftsberechtigten hatten folgende Stellung in Grimmen: Krüger - Direktor des Ein- und Verkaufsverein, Kroos - Gutsbesitzer in Glashagen, Becker - Gutsbesitzer in Bartmannshagen, Peters - Gutsbesitzer in Jessin, Finck - Angestellter im Ein- und Verkaufsverein.

Der Kreisausschuss Grimmen berichtete am 29.10.1923 an den Regierungspräsidenten:  "Die Not an Geldscheinen, der auch die Kreissparkasse nicht mehr Herr werden konnte, hat am vergangenen Sonnabend zur Zahlung in Roggen geführt der teilweise seitens der Arbeitnehmer nur mit Wiederspruch in Empfang genommen wurde. Die Reichsbank hat für heute die Beschaffung ausreichender Zahlungsmittel versprochen,  aber nicht durchführen können".  Diese schwierige Situation wird verständlich, wenn wir den Dollarkurs betrachten. Er betrug am 01. November 1923 1$ = 130 Milliarden Mark, 02. November 1923 1$ = 321 Milliarden Mark, 03. November 1823  1 $ = 420 Milliarden Mark, 15. November 1923 1 $ = 2500 Milliarden Mark.

Der höchste herausgegebene Nominalwert der Kreiskommunalkasse und des Ein- und Verkaufsvereins - 50 Milliarden Mark -, war so gut wie nichts mehr wert. Eine recht interessante Anzeige im Grimmer Kreis- Wochenblatt vom 19.Oktober 1922 belegt, daß auch im Kreis Grimmen schon 1 Jahr früher die Idee, Roggen als Zahlungsmittel zu verwenden, praktiziert wurde:  "Im Hotel "Zum weißen Röss`l" fand gestern Abend die Neuverpachtung des der Schumacherinnung gehörigen Ackers, der im Sandfelde belegenen und 7 Morgen und einige Quadratruten groß ist. Das Pachtangebot wurde in Pfund Roggen abgegeben die drei Höchstbietenden waren Baugewerksmeister Schröder mit 220 Pfund, der bisherige Pächter Müllermeister Ohls mit 271 Pfund und Viehhändler Albert Burmeister mit 272 Pfund. Der Zuschlag wird einem dieser drei Herren auf dem Herbstquartal der Innung am 2. Oktober erteilt werden."

Roggen-Waagerecht

Roggengeld der Landhilfe Grimmen     Ende Oktober 1923 wurden für den Pommerschen Landbund, Kreisgruppe Rügen - Franzburg - Greifswald, sowie für die Landhilfe Grimmen in der Druckerei des Stralsunder Tageblattes Roggenscheine hergestellt. Die Scheine waren einheitlich gestaltet. Der Text wurde für jeden Kreis individuell festgelegt. Am 19. November 1923 konnte der Kreisausschuß Grimmen an den Regierungspräsidenten in Stralsund u. .a. berichten:

Roggen-1 bis 10 Zentner

"Die im Kreis vorhandenen industriellen Betriebe haben bereits seit einiger Zeit eine wertbeständige Entlohnung ihrer Arbeiter in der Weise vorgenommen, daß sie ihnen Roggenscheine, die von der hiesigen Landhilfe herausgegeben sind, abgegeben haben. Die Hingabe von hochwertigen Devisen/ Dollarschatzanweisungen und von Goldanleihen ist deshalb schwierig, weil die Industrie fasst ausschliesslich für die Landwirtschaft im Kreis arbeitet und Devisen nicht erhalten konnte. Dollarschatzanweisungen und Goldanleihen waren bei scharfer Repatierung (1%) nur schwer zu erhalten."

Ende des Beitrages